03.10.2019 Devils Town und Kosovo

Der Tag stand im Zeichen warmer Reifen. Wir haben ein paar Klöster von der Liste gestrichen und Christel in den Postmodus versetzt: gib ihm. Ziel: Süden, denn dort wollen wir ja hin. Unterwegs gab’s aber noch ein wirklich attraktives Bild der Natur zu bestaunen. Devils Town. Leider ohne Beschreibung. Ich kann es mir nur so erklären, dass hier vormals eine große erosive Geröllhalde lag. Das Geröll hat sich aus Gründen verdichtet. Vielleicht spielen die vielen Metalle wie Eisen, Zink, Kupfer und Blei eine Rolle. Später unterlag die Halde jedoch erosiven Prozessen. Da das Material nicht voll verdichtet ist, erodiert der Regen von oben am besten. Vllt spielen auch die Metalle wieder eine Rolle. Liegt nun ein großer Stein rum, kann der erosive Regen genau diese Stelle nicht erodieren. Die Stelle bleibt da, während alles andere weggewaschen wird. Es entstehen tolle Türme. Es war unglaublich beeindruckend und beide Reiter waren froh, den Umweg über eine kleine gewundene Serpentinenstraße genommen und die Wanderung zur Sehenswürdigkeiten aufgenommen zu haben. Da die Kassenfrau schon in den wohlverdienten Feierabend gegangen war, hat sie auch unsere 700 Dinar nicht bekommen (6€). Diese bekam die wackere, der Kälte trotzende Souvenirfrau für ihren Himbeersirup. Denn das Geld wollten wir ja nicht umsonst vorher extra unter einem weiteren Umweg abgehoben haben wollen… Nach der Teufelsstadt wollten wir wegen der verbliebenen Dinar noch eine Nacht in Serbien weilen und gaben dem Navi das Ziel vor: hübsche Schlafstelle von park4night (geile App).

Und das Navi so: „kein Problem, gleich links in den Wald rein, da ists schön düster.“

Und die Christel so: „Könnter vergessen, wenn ihr noch bissl mit mir rumreisen wollt.“

Und wir so: „Kein Problem, wir sprechen ja serbisch. Soll uns die reiche Souvenirfrau sagen, ob Christel den tiefen Schlamm schafft.“

Und die Souvenirfrau so: „Hahahaha!… 🙈 20 km Irrweg durch den Wald? Niemals! Fahrt mal lieber oben rum.“

Und wir dann wieder so „Oben rum? Da sind wir ja noch 2 h unterwegs und kommen erst 19.00 an… Die meint bestimmt untenrum.“

Und das Navi so: „untenrum kömmer machen. Dauert nur eine Stunde. Da könnt ihr noch schön weiter Melone mampfen, wenn wir da sind.“

Alle waren einverstanden. Die Souvenirfrau hat nix von alledem verstanden. Also ab nach untenrum. Nach 25 km untenrum wurde der Weg immer abenteuerlicher, verlor seine schöne Betondecke, verlief tiefer im Wald, spaltete sich. Es kamen nur noch Traktoren und Holzlaster entgegen, es wurde schlammig.

Und wir so zum Navi: „Bist du sicher?“

Und das Navi: „Klar! Feuer frei! Vorne gibt’s Melone!“

Ein kleines Stück noch. Wir fahren soweit, wie Christel und Mike es sich zutrauen. Beide schwitzen vor Angst und die Herzl schlagen hoch. Wir lassen uns aber nichts anmerken, denn Bernd soll nicht beunruhigt werden. Großes Finale nach 45 min im Wald: vorne Schlammloch, da fährt Christel nicht rein… Mike’s Freude war riesig, denn statt den Weg durch die Mitte (1h) und den Weg untenrum (schon 45 Minuten verspielt) muss er jetzt den Weg obenrum nehmen (ab hier 2h und 45 min). ETA also 19.45… da ists mehr als dunkel… Aber was solls.

Also dem Navi gesagt: „Ab jetzt machen wir, was Christel sagt, denn es geht um ihre Beine und Füße! Fahr obenrum!“ Na gut… Kurzum: Das Navi fand einen tollen, neuen, sicheren Weg. Allerdings geht der noch weiter untenrum, durch den Kosovo durch und auf der rechten Seite wieder raus nach Serbien zur Schlafi. Zwei mal Grenze passieren und schon sind wir gegen 22.00 Uhr da.

„JEEETZT REEEIIICHTS!!!!“ flüsterte Mike leise.“ OBENRUM!!!“.

Das Navi konterte: „Na gut, das sind dann 300 km. Das schafft ihr in 6h. ETA neu: 1:40 Uhr“.

Für eine Luftlinie von nur 20 km wohlgemerkt. Die eben vorgestellte Diskussion illustriert vorzüglich, wie es in Südserbien kurz vor dem Kosovo aussieht. Da gibt’s nichts außer Wald und Schlamm! Die wenigen Minidörfer sind verlassen. Nur Pavel wohnt da noch mit seiner Kuh. Serbien steckt hier kein Geld rein. Es wirkt, als solle das Land als Aufmarschgebiet für den nächsten Krieg dienen. Traurig. Aber so sieht Südserbien aus…

Wie gingen die Reisenden nun mit der Situation um? V1 Reise 6h durch Serbien? V2 ab in den Kosovo und die übrigen 20 € in Dinar in den Wind hauen? Dafür vllt „schon“ 20.00 Uhr im Dunkeln an der Ersatzschlafi ankommen. Da im Allgemeinen gern geschlafen wird, sind wir jetzt 20 € ärmer. Ab in den Kosovo… Raus aus dem Internet… Abenteuer. Dunkelheit. Neue Kultur.

Die Grenze war grausig. Serbien denkt ja, dass der Kosovo noch zu seinem Gebiet gehört. Deshalb machen die auch keine Grenzkontrollen. Nur der Kosovo macht zwei. Vor der Grenze laufen unzählige verwegen Männer auf und ab. Ein Junge will irgendwas verkaufen. Hunde springen in Rudeln um die Autos und werden fein von den Insassen angefüttert. Von der Grenze aus strahlen Flakscheinwerfer in unsere Richtung. Es war wirklich ein wenig gruselig. Auch hier musste Mike Bernds Frage, ob er sich fürchte verneinen, um die Stimmung hoch zu halten. „Wir sind Bürger der Europäischen Union. Uns wird nichts passieren.“

Und tatsächlich, Bernd entdeckte am Grenzgebäude die große europäische Flagge mit der Beschriftung „financed by the EU“. Also wird schon alles richtig sein. Die Flagge zeigt Richtung Serbien als Zeichen dafür, dass die EU wohl ganz offensichtlich hinter der Unabhängigkeit stehe.

Kurze Navi Anekdote noch: Google hat die Grenze gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Einreise in den Kosovo sollten wir über Albanien oder Nordmazedonien machen. Noch mal ca. 7 h fahrt für 20 km Luftlinie. Hintergrund ist, dass die Reiseregeln tatsächlich nicht ganz klar sind. Da Serbien denkt, Kosovo gehört zum eigenen Staatsgebiet, machen die ja keine Stempel in die Pässe. Wenn ich also über Albanien in den Kosovo fahre und von dort nach Serbien will, um im Norden nach Ungarn auszureisen, machen die Serben an der ungarischen Grenze eine Menge Späne, weil ich ja ganz offensichtlich nie nach Serbien eingereist bin. Das kann auch mal Gefängnis bedeuten. Wenn ich über Serbien in den Kosovo ausreise, um von dort über Albanien wieder nach Serbien zu fahren, geht das auch nicht so richtig, weil meine Stempel im Pass besagen ja, dass ich noch in Serbien bin. Da aber ein Körper nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein kann, kommen die Serben auch hier wieder durcheinander. Das hatten wir zwar schon alles 5 mal gelesen, da Google uns aber nicht über die Grenze lassen wollte, lasen wir es eben zur Sicherheit noch 5 mal…

Dann gings in den Kosovo. Kein Problem, sagt der Grenzer, brauchst du nur eine Extraversicherung falls Christel Unfug macht, weil der Kosovo in der grünen Karte nicht dabei ist. Da Christel (allein ja schon aufgrund der massiven Erscheinung) ein LKW ist, kostet die Versicherung allerdings 77 €. Was für ein Tag…. Der Versicherungsvertreter meiner Wahl entschuldigte sich für den hohen Preis. Ich sagte „Kein Problem, wir sind ja 2 Tage drin…“ Damit ist leider faktisch das ganze Budget für den Kosovo aufgebraucht… So wird das echt schwer mit der Aufbauhilfe…

Die Schlafi zu finden war ein absoluter Graus. Wir kamen 20.00 im Stockfinsteren an. Keine Ahnung ob wir richtig stehen. Es hat geregnet. Draußen bellte es plötzlich. Bernd sprang ins Auto und forderte Mike auf, selbiges zu tun. Mike wollte lieber den Taschenlampentest machen… Werden wilde Hunde mit der Taschenlampe angeleuchtet, halten sie dich für einen Sonnengott und ziehen ab. Genau so war es hier zum Glück. Als die Hunde also abzogen, knallte es in wenigen hundert Metern 5 mal laut. Kosovo. Dunkel. Regen. Wald. Hunde. 5xKnall… Was braucht man mehr. Wir haben Christel schnell von innen abgedunkelt und ich hab Bernd aus dem Reiseführer vorgelesen bis er eingeschlafen ist. Und was soll ich sagen… Es ist 6.20 und wir leben beide noch. Ich bin sicher, dass dieses Land bei Lichte betrachtet viel besser ist als bei Dunkelheit.

Übrigens haben wir nach der Grenze schnell noch eingekauft. Bernd wollte gern Brot zum Frühstück. Also 1 Fladenbrot, 1 Flasche Wasser und 1 großen Kajmak (Googlen!) für 1,25 € gekauft (Richtig. Das ist richtig billig. Und auch richtig. Die nehmen Euro.) Ein Liter Diesel kostet 1,18 €. Da meine Finger weh tun und schon 1,5 h rum sind und Bernd jederzeit erwachen könnte, kommen jetzt die Bilder. Den Beitrag bekommt ihr dann erst irgendwann wenn wir wieder Netz haben.

Hier läuft rotes Wasser aus dem. Boden:Devils Town:Google’s Vorschlag für die Einreise in den Kosovo:Hier haben im 13. Jahrhundert die Sachsen nach Eisen gegraben. Die Stollen sind bis 800 Meter tief:Hier hätten wir schlafen sollen… Da hätten wir jetzt noch unzählige Nerven… Aber wir aßen nur die Melone:Tolle Kirche. Zufallsfund. Auf keiner Karte:Melonenessung:Denkmal zur Erinnerung an eine erfolgreiche Schlacht gegen die Türken 1805:Erklärung zu den sächsischen Bergleuten:Drei von euch bekommen Post. Der Rest ist nicht so wichtig:So wird auch den Verstorbenen gedacht:Noch eine zufällig gefundene, hübsche Kapelle:

Wenn ihr hier draufklickt, könnt ihr unseren aktuellen Standort live sehen.
Versicherung 77 €

Sirup 6 €

Wasser, Brot, Kajmak 1,25 €

2 Gedanken zu „03.10.2019 Devils Town und Kosovo“

  1. Hallo ihr beiden

    Echt cooler und spannender Blog. Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise und wilde Abenteuer. 🙂

    Liebe Grüsse aus Zürich (leider schon seit ein paar Tagen zurück aus Belgrad)

    Steffi und Dani

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